Freitag, 21. Februar 2014

Geheimniskrämerei - Gedanken zum Bloggen

Ein Thema, das mir schon länger durch den Kopf schießt ist der Punkt
>>>>>>>>>>>>>>>>>"Wer weiß von meinem Blog?" <<<<<<<<<<<<<<<<<
Eins ist schonmal klar und auch nicht von der Hand zu weisen: Sobald man einen Blog schreibt, ist der öffentlich (es sei denn natürlich, man stellt die Privatsphäre Einstellungen ein etc.).
Jeder, der möchte, kommt über Suchmaschinen, andere Blogs oder Kommentare, die man selbst hinterlässt, auf den Blog-vielleicht auch rein zufällig. Damit hat man also schon mal den ersten Schritt getan, der Blog ist für jeden sichtbar und es lässt sich nicht verhindern, dass jemand auf ihn stößt.



Soviel zur passiven Seite. Wie ist es aber anders herum?
Wem erzählt man denn von seinem Blog? Zu dem Thema schießen mir seit Tagen einige Gedanken durch den Kopf. Natürlich ist das keineswegs eine Anleitung und schon gar keine richtige, ideale Lösung. Im Gegenteil, mich interessiert natürlich, was ihr für Erfahrungen mit diesem (wie ich finde) sensiblen Thema gemacht habt. Ich erzähle einfach mal, wie es bei mir war.

Als ich den Blog im April 2012 (es ist mir peinlich, ich musste nachsehen) startete, erzählte ich eigentlich erstmal niemandem von dem neuen Projekt. Warum? Für mich war es keine große Sache. Ich wusste ja selber noch nicht so genau, wie sich das alles entwickelt. Ob ich es überhaupt schaffe, mehr als 3 Posts zu schreiben, ob es mir nicht nach wenigen Wochen langweilig werden würde und ob überhaupt irgendjemand meinen Blog jemals lesen würde. Ich kann mich noch erinnern, wie ich aus allen Wolken gefallen bin, als ich den ersten Kommentar gelesen habe. Für mich damals völlig unbegreiflich, wie jemand Unbekanntes einfach über meinen Blog stolpert und nicht nur die Posts liest, sondern sogar einen Kommentar verfasst. Heute freue ich mich natürlich immer noch über jeden einzelnen Kommentar, aber es erscheint mir- auch wenn der Blog längst nicht mit den "Großen" in der Bloggerszene mithalten kann- nicht mehr so abwegig, dass auch andere Blogger ein paar Zeile hinterlassen. Und nach und nach wuchs dann der Blog, die Themen änderten sich immer wieder, es kristallisierten sich gewisse Schwerpunkte heraus. Nicht zuletzt, die Followerzahlen stiegen an. Nicht ins Unermessliche, aber soweit dass ich mir damals dachte "Wow, anscheinend kommt der Blog gar nicht so schlecht an!". Das war wohl so nach ca. einem Dreiviertel Jahr, in dem ich regelmäßig gebloggt habe. Immer noch wusste eigentlich niemand aus meinem Bekanntenkreis und meiner Familie von Charlottenmarotten.

In Retrospektive gesehen, was hätte ich schon tun sollen?
Einen Brief an alle engen Freunde rausschicken? "Liebe Freunde, ich habe übrigens einen Blog. Schon seit einem Dreiviertel Jahr. LG und viel Spaß mit dieser Information!". Einerseits erschien mir diese Information nicht wirklich relevant (damit stellt man seinen Blog automatisch auf ein Podest und tut so, als hätte man in seinem Leben etwas Großartiges erreicht und geschaffen).
Natürlich darf man darauf stolz sein, aber ich empfinde Bloggen nicht als Leistung und mein Blog ist auch in kleinster Weise ein Prestigeobjekt. Andererseits war ich mir auch nicht sicher, wie meine Freunde darauf reagieren könnten. Von Reaktionen wie "Aha. Toll. Und?" bis "Ist das dein Ernst?" hätte ich mir alles denken können. Also habe ich es erstmal sein gelassen.

Ich denke es ist mit der Zeit unvermeidbar, dass Menschen im Umfeld auf den Blog aufmerksam werden, vor allem wenn man ihn mit Fotos aus seinem Leben gefüllt und seinen richtigen Namen angibt (sei es auch nur der Vorname).
So kam es auch bei mir. Eine Freundin stieß irgendwie (ich weiß eigentlich immer noch nicht wie genau fällt mir gerade ein) auf den Blog und sprach mich irgendwann darauf an. Ich war zuerst ziemlich perplex, dann auch gespannt, was sie zu dem ganzen Thema zu sagen hatte. Das Feedback war eigentlich sehr positiv, was mich natürlich freute. Das war vermutlich auch der Anstoß, warum ich irgendwann auch einer anderen Freundin vom Blog erzählte. Und zwar war das relativ spät, nämlich vor ungefähr einem Jahr, während der Indonesienreise. Wohlgemerkt, als ich das Thema aufwarf, saßen wir tausende Kilometer von Wien entfernt am Strand einer Insel, die man zu Fuß umrunden konnte und uns brannte gerade der Mund von dem scharfen Essen.
Und genau in dieser Situation fing ich an mit "Ich wollte dir da noch etwas erzählen...". Ihr könnt euch das Gesicht vorstellen. Sicherlich hatte sie in dem Moment ein anderes Geständnis erwartet. Aber auch hier, eigentlich positives Feedback (naja, was soll man auch sagen, ohne Internet irgendwo mitten im Meer, ohne den Blog jemals selbst gesehen zu haben?) und die Frage "Und warum machst du das eigentlich?". Das hat mich amüsiert und ich weiß eigentlich gar nicht so unbedingt eine simple Antwort darauf, aber das ist ein anderes Thema.

Achja , ganz vergessen, ein bisschen Ärger bekam ich doch, weil ich den Blog (inzwischen beinahe 1 Jahr) einfach verschwiegen hatte. Kurz davor hatte ich meinen Eltern von dem Blog berichtet und ihnen den Link geschickt, das allerdings vor allem aus dem Grund, da sie nicht in Wien wohnen und so ein bisschen (vor allem auch visuell) Eindrücke bekommen sollten, was ich so treibe.



Mir ist übrigens aufgefallen, dass es mir viel leichter fällt Personen, die mir nicht allzu nahe stehen (nicht im negativen Sinn, sondern einfach alle, die ich nicht zu Familie und engen Freunden zählen würde) in das ganze Blog-Thema einzuweihen. Einmal habe ich es schon nebenbei auf einer Party erzählt, mitten in einem Smalltalk-Gespräch (natürlich ging es irgendwie auch um das Thema).
Das ist mit dann plötzlich aufgefallen und ich dachte mir, eigentlich sehr komisch, dass ich quasi wildfremden Personen, die ich erst seit kurzem kenne, vom Blog erzähle, aber meinen besten Freunden nicht.
Das liegt wohl daran, dass mir die Meinung meiner Freunde um vieles wichtiger erscheint und ich Kritik und Bedenken auch ernst nehme würde. Mir ist auch durchaus bewusst, dass nicht alle den Blog für wirklich toll erachten. Ich weiß gar nicht wie ich reagieren würde, wenn eine enge Freundin von mir so etwas "beichten" würde. Vielleicht würde ich mir im ersten Moment sogar denken, sie braucht anscheinend öffentliche Aufmerksamkeit von Personen, die sie nicht mal persönlich kennt.

Deswegen finde ich es nicht schlimm, wenn jemand bei der Verkündung, ich habe einen Blog, nicht gleich in "Echt? Waaaaahnsinn!" -Rufe verfällt und erstmal eine Augenbraue hochzieht. Damit kann ich leben. Trotzdem ist es noch sehr ungewohnt, wenn ich eine Freundin treffe und sie mich mit den Worten "Und, wann hast du den Kuchen gebacken? Gestern oder heute? Hab ich auf deinem Blog gelesen!" begrüßt. Auch wenn fast niemand von meiner Familie und Freunden hier kommentiert, werde ich daran erinnert, dass sie anscheinend ab und zu mitlesen.

Letztens sprach mich sogar mein Chef auf den Blog an, da war ich wirklich verwundert. Dass ich den Blog nicht im Lebenslauf angegeben habe, ist ja nicht verwunderlich, aber das war auf jeden Fall ziemlich verrückt. Seitdem liest er anscheinend auch sporadisch mit (Hallo an der Stelle!).

Ich denke, das ist auch ein wichtiger Punkt. Seit ich das Gefühl habe, Personen, die mich in echt kennen, lesen mit und denken sich dazu ihren Teil, passe ich viel mehr auf, worüber ich schreibe. Einerseits ist das ein wenig befremdlich, andererseits auch unvermeidbar. Und man muss dazu sagen, dass ich auf dem Blog zwar einiges Privates teile, aber auch Freunde oft anmerken, dass man auf dem Blog gar nicht richtig sieht, wie es mir gerade geht. Vielleicht greife ich das Thema Wie viel Persönlichkeit steckt in einem Blog? nochmal auf, da gibt es sicherlich noch einiges zu sagen.

Jetzt aber genug von meiner Seite, wie sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Das würde mich besonders interessieren! Wissen eure Freunde und eure Familie von dem Blog? 



Kommentare:

  1. Meine Familie weiß, dass ich einen Blog habe, liest ihn aber nicht. Mein Freund hat sich ein Lesezeichen gesetzt und liest mit. Meine Freunde und Bekannte kennen ihn meist, denke ich. Allerdings lesen ihn wohl nur diejenigen, die selbst auch was mit Handarbeiten und Blogs am Hut haben und vielleicht selber bloggen.
    Ich habe allerdings auch nicht den Eindruck, dass ich so viel privates kundtue, daher stört es mich auch nicht weiter, den Link an Kollegen weiter zu geben (für eine Praktikumsbewerbung war es mal ziemlich praktisch, dass ich einen DIY-Blog habe).

    Ich finde es entspannter, wenn ich meinen Blog nicht "geheim" halte, sondern beim Kaffee trinken rumnölen kann, dass der Adventskalender, den ich gerade mache, stressig wird oder so. :)

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  2. Meine Familie und Freunde wissen vom Blog, weil ich wie eine Blöde Visitenkarten verteile ;) Ich erwähn es auch gern als Eisbrecher und bin generell sehr stolz auf meine Arbeit. In solchen Situationen kann ich mich ganz schlecht zurückhalten. Ich finds echt cool, dass dein Chef mitliest!

    Liebe Grüße
    Nadja

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  3. Ich finde es ebenso schwierig wie du, anderen von meinem Blog zu erzählen, aber es ergab sich mit der Zeit und bei mir es es eher andersrum, dass mehr die engen Kontakte davon wissen. Ich verknüpfe meine Posts in meinem privaten Facebook-Profil, aber persönlich rede ich selten mit jemandem von meinem Blog, besonders selten von mir aus. Meine Eltern wussten von Anfang an Bescheid, mein Vater schon weil er mir bei der Umsetzung mit Domain etc. half. Mein Freund weiß es auch von Anfang an, interessiert sich allerdings nicht sooo sehr dafür. Meine Mädels schauen sporadisch vorbei, ich konnte und wollte den Blog nicht verheimlichen und frage jetzt auch schon mal eine meiner Freundinnen, ob sie mich photographiert. Wenn ich einen übriggebliebenen Crumble vom morgendlichen "Shooting" vorbeibringe, freut sich auch jeder :D
    Gerade wenn der Chef davon weiß, finde ich es etwas schwierig, wobei sicher einige ihren Blog beim Lebenslauf erwähnen und dein Chef ganz cool zu sein scheint. Ich achte mittlerweile so oder so sehr darauf, was ich schreibe, schon weil meine Quasi-Schwiegereltern mitlesen ;-)

    Lieben Gruß, Isabelle

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  4. Also bei mir wussten, zu Beginn, nur meine engsten Freunde vom Blog. Das kann ich mir auch gar nicht anders vorstellen, weil ich über meinen Blog rede und unterwegs ständig Fotos mache. Meiner Familie habe ich erst nach einiger Zeit davon erzählt. Ich wollte erstmal rausfinden, wie es mit dem Bloggen für mich läuft. Ich verstehe deinen Gedankengang zwar zum teil, finde aber, dassruhig Alle von CharlottenMarotten wissen sollen. Auch wenn unsere Blogs an macher Stelle vielleicht doof oder langweilig sind, wir können stolz drauf sein!

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  5. Hi Charlotte, ich habe nicht nur deinen Post kommentiert & verlinkt, sondern auch ein sogennantes Stöckchen zum Thema Reisen für dich :) http://www.übersee-mädchen.de/stoeckchen-gefangen-11-antworten-zum-reisen/

    Lieben Gruß, Isabelle

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  6. als ich über deinen blog gestolpert bin, war ich motiviert meinen auch wieder auf vordermann zu bringen. erzählt habe ich aber auch niemandem davon. dann habe ich aber bemerkt, dass niemand meinen blog liest und habe begonnen die links auf facebook zu posten^^ seither bin ich erstaunt, wer mich aller darauf anspricht und ihn liest. mit meinen engsten freunden rede ich aber aus irgendeinem grund trotzdem nicht darüber und bei den meisten weiß ich nicht einmal, ob sie ihn lesen! ich weiß auch nicht wieso das so gekommen ist...

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  7. Ich finde es gut, dass du zunächst mal abgewartet hast, was mit deinem "neuen Projekt" überhaupt passieren wird, bis du jemandem davon erzählt hast. So ähnlich habe ich das mit meiner Schulklasse gemacht. Ich fand es nicht nötig, ihnen von mir aus davon zu erzählen und wartete mal ab, ob jemand irgendwann mal draufstossen würde. Und so ist es dann auch gekommen und dann habe ich ihnen darüber erzählt und ihnen erklärt, was ich genau mache. Dass meine Schüler meinen Blog lesen, ist für mich jetzt auch gleich ein super Filter gerworden, anhand dessen ich merke, ob etwas zu privat ist. Würde ich es so meinen Schülern nicht erzählen oder zeigen, dann weiss ich, dass es nicht auf meinen Blog gehört.

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